AUTORENLESUNG ![]()
"Als ich zwei Jahre alt war, verloren die Menschen um mich herum ihr Aussehen. Ihre Augen lösten sich in Luft auf. Nebel verschleierten ihre Gesichter. Die Stimmen verdunsteten. Meine Lippen ermüdeten. Kranke Wörter schleppten sich über meine Zunge. Die Silben verdorrten. Bald stammelte ich nur noch."
Mit diesen Worten beginnt ein erstaunliches Buch: die Erinnerungen des Hamburger Axel Brauns an seine autistische Kindheit und Jugend. Ein solches Dokument dürfte es eigentlich gar nicht geben, denn die Merkmale eines Autisten sind Sprachlosigkeit und die Unfähigkeit zu kommunizieren. Als kleiner Junge kann Axel Brauns zwar hören und mit den Lippen Laute formen, aber er versteht nicht, was Menschen sprechen und handeln lässt und ihren Worten, Gesichtern und Gesten Bedeutung einhaucht: Gefühle. Wie aus einem "Dummbart" ein "Schlaumeier" wurde, aus einem Sprachlosen ein Dichter, aus einem Gefühlstauben jemand, der mit Wortschöpfungen wie "näpfchengut" und "Wolkenkrem" eine Welt reich an Freuden und Enttäuschungen beschreibt, davon erzählt diese Geschichte. ![]() Axel Brauns wurde am 183. Tag des Jahres 1963 in Hamburg geboren. 1984 brach er sein Jurastudium ab, um als Schriftsteller sein Glück zu versuchen - zum Entsetzen der Mutter, denn Axel Brauns hatte zu jener Zeit noch mit seinem Autismus zu kämpfen. Seine Geduld zahlte sich aus: Für einen Auszug aus "Buntschatten und Fledermäuse" gewann er den Förderpreis der Stadt Hamburg 2000. Zurzeit macht Axel Brauns eine Ausbildung als Steuerfachangestellter. "Buntschatten und Fledermäuse" ist seine erste Veröffentlichung. Das Buch ist im Verlag Hoffmann und Campe erschienen. |