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"Wie muss man denn anklopfen?"
oder
"Die Beunruhigung des Heiligen"

Giovanni Cimabue (um 1240 - 1302): Fresko in der Unterkirche der Basilika S. Francesco in Assisi


Sonntag
23.06.02
11:00 Uhr
MATINEE
vor der Premiere "Saint Francois d'Assise"
von Olivier Messiaen
in der Deutschen Oper Berlin




Zu Beginn des zweiten Aktes seines einzigen Opernwerks lässt Olivier Messiaen einen Engel auftreten, der gekommen ist, mit Franziskus zu sprechen. Behutsam klopft der Engel an die Klosterpforte, aber es macht einen gewaltigen Lärm. Von Bruder Masseo wird er auf sein seltsames Verhalten hingewiesen. Und er fragt zurück: "Wie muss man denn anklopfen?"

In der Frage des Engels scheinen sich die vielfältigen Motive des franziskanischen Lebens zu verdichten: Wie bricht das Heilige - das der Religionswissenschaftler Rudolf Otto Giotto (1266 ? - 1337): Franziskus predigt den Vögeln. Fresko in der Oberen Basilika in Assisi, vor 1300zu Beginn des letzten Jahrhunderts als "tremendum et fascinosum" bezeichnet hat - in die Gesellschaft und in das Leben des einzelnen ein? Um das Leben des Franziskus haben sich zahllose Legenden und Mythen gebildet. Das Erschütternde, das Beunruhigende seiner mystischen Erfahrung - das "tremendum" - wurde dabei oftmals domestiziert und zugunsten des "fascinosum" übermalt. Olivier Messiaens Oper konfrontiert erneut mit jenem Franziskus, der seit seiner Begegnung mit dem gekreuzigten Gottessohn ein Bedrängter, ein Ruheloser ist. So sehr leidet er an der Spannung zwischen seiner Sehnsucht nach Vollkommenheit und der Unerlöstheit der Welt, dass er um die "Gnade" der Stigmatisierung bittet - ein Bild, das sich nur schwer in "moderne" Weltbilder einfügen lässt.

Der katholische Komponist Olivier Messiaen, der die "wahrhaftige Musik" als "einen Akt des Glaubens" ansah, bringt uns so mit den Mysterien Jesu Christi in Berührung: in einer Musik, wie er es selbst formuliert hat, "die einem ruhelosen Vogel gleicht" und "die Begrenzung der Zeit und ihre Allgegenwart spürbar werden lässt."


Giotto (1266 ? - 1337): Franziskus' Ordensregeln werden vom Papst bestätigt. Fresko in der Oberen Basilika in Assisi, vor 1300



VERANSTALTUNGSABLAUF

11.00 Uhr Begrüßung

Professor Udo Zimmermann, Deutsche Oper Berlin
Dr. Susanna Schmidt, Katholische Akademie, Berlin

11.15 Uhr Musikalische Einstimmung

11.30 Uhr Podiumsgespräch

Daniel Libeskind, Architekt, szenische Konzeption, Bühnenbild, Kostüme
Antje Kaiser, Daramaturgin und Regisseurin
Dr. Stefan Keym, Musikwissenschaftler
Pater Dr. Werinhard Einhorn OFM, Franziskaner
Moderation: Dr. Bernward Konermann

13.00 Uhr Mittagsimbiss (gegen Entgelt)

14.00 Uhr Möglichkeit zum Gespräch mit den Podiumsteilnehmern

EINTRITT: 10,- Euro

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